Unsere VOZWEIMAX Teammitglied Christine Waitz – u.a. ehemalige Deutsche Meisterin über die Langdistanz 2007, Weltmeisterin Age Group 18-24 beim Ironman Hawaii 2007, etc.- hat sich Ihrer bisher größten Herausforderung gestellt und Ihr bisher größtes Abenteuer erlebt  – Das „Race around Ireland“ – 2200 km und 23.000 Höhenmeter durch das Land der Glückskobolde und vierblättrigen Kleeblätter. Während der  2200 km, welche mit einem von Zeitlimit 132 Stunden zu absolvieren waren hat Sie Tiefen und Höhen erlebt. Dank Ihres Kämpferherzes und Ihres Team, auf das Sie immer zählen konnte, hat die 1, 53 m große Sportlerin das Rennen erfolgreich absolviert und gehört zu den 50% der 14 Starter die die anspruchsvolle Strecke mit teilweise herausfordernden Straßenbelegen und bei Wind und Wetter bezwungen haben. Christine hat uns von  VOZWEIMAX einige Fragen beantwortet um Euch eine persönlichen Einblick in Ihr bislang größtes Rennen zu geben:

Hallo Christine. Erst Mal herzlichen Glückwunsch zur Leistung beim „Race around Ireland“. Nonstop 2200 km in 136 Stunden. Wir ziehen den Hut. Wahnsinn. Was war Deine Motivation Dich so einer großen Herausforderung zu stellen?

Großen Anstoß brauche ich für solche Projekte nicht. Da reicht schon eine tolle Erzählung, Begeisterung eines Athleten, der selbst schon mal dort war und eben der gewisse Grad an Herausforderung. Das ist es, was mich lockt. Herausforderung, Abenteuer, das Austesten von Grenzen, Neues kennen lernen und am Ende mit vielen, unvergesslichen Erinnerungen und einigen gelernten Lektionen nach Hause zu gehen.

Wie  trainiert man für so ein Rennen neben dem normalen Beruf?

Durch meinen Beruf kann ich im Frühjahr viele Kilometer in Trainingslagern sammeln – das ist natürlich schon ein großer Vorteil. Die Grundlage war also bereits da. Klar fährt man dann auch mal längere Touren. Es war aber nicht so, dass ich im Vorfeld tagelang auf dem Rad verbracht habe. Ich habe versucht konstant Kilometer zu machen. Morgens vor der Arbeit, in der Mittagspause, oder eben nach Feierabend. Viele kurze Einheiten, dabei sind dennoch gut Kilometer zusammen gekommen. Der Rest ist dann Kopfsache.

Wieviel Vorlauf an Training benötigt man um so etwas durchzustehen? Kann das jeder schaffen?

Ich glaube, der Sturkopf zählt hier mehr als Training. Das bedeutet aber nicht, dass man untrainiert an den Start gehen darf. Viele Kilometer helfen dir insofern, als dass du deinen Körper gut kennst, weißt, wie du reagieren musst. Je mehr Trainings- und Raderfahrung, desto besser.

50% der Starter haben das Ziel nicht erreicht. Ich gehe mal davon aus, das alle Starter einen gewissen Leistungsstand hatten und nicht erst seit gestern auf dem Rad gesessen sind? Was entscheidet Deiner Meinung über das Erreichen der Finishline?

Ricky Geoghegan, der Physio, der mich im Rennen unterstützt hat, sagte treffend: „Ich habe schon viele gute Fahrer scheitern sehen, weil sie ein schlechtes Team hatten. Ich habe genauso schon viele schlechte Fahrer ins Ziel kommen sehen, weil sie ein gutes Team hatten.“ In Wirklichkeit ist das Rennen ein Team-Erfolg. Ohne die vier Jungs, die perfekt vorbereitet waren und im Rennen souverän mit jeder Schwierigkeit umgegangen sind, hätte ich das Ziel niemals erreicht.

Hattest Du kurz bevor es losging letzte Zweifel ob es die Idee wirklich so gut gewesen ist oder hat die Vorfreude überwiegt das es endlich losgeht?

Zweifel gehören ganauso dazu, wie jede andere Emotion. Nur so bleibt man aufmerksam, checkt nochmals alles, vermeidet Fehler. Die Freude kommt bei mir eigentlich erst dann auf, wenn der Startschuss gefallen ist und ich endlich los darf.

Du bist ja Triathlontrainerin mit Lizenz und ehemalige Deutsche Meisterin über die Langdistanz. Hast Du trotz Deiner Erfahrung Tipps benötigt und wenn ja, wenn konntest du fragen?

Tipps sind stets wertvoll – egal, was man schon geleistet hat, wieviele Jahre man schon Sport macht. Nur so kann man sich schließlich weiter entwickeln. Wer sich zu gut ist, von anderen Tipps anzunehmen wird früher oder später nicht weiter kommen.

Ich, oder wir als Team, waren ja alle neu im Ultra Cycling und haben einige Gespräche im Vorfeld und auch noch während des Rennens geführt. Zum Beispiel mit Holger Röthig oder  Bernhard Steinberger – beide erfahrene Ultra Radfahrer.

Was war dein schlimmster Moment und nach wieviel Kilometern kam er ungefähr?

Donnerstag Nacht – der Start war am Sonntag – war nicht nur für mich schlimm, sondern auch für das Team. Im Nachhinein denke ich, hatten wir einen kleinen strategischen Fehler gemacht. Dazu kam, dass die Strecke unerwartet anspruchsvoll und der Straßenbelag extrem schlecht war. Meine Leistung ging in den Keller und das zehrte an den Nerven aller.

Was waren die schönsten Momente abgesehen vom Erreichen der Finishline?

Es sind viele kleine Momente, die ich nie mehr vergessen werde. Wenn man neben einem anderen Athleten fährt, wenn das Team gute Laune hat und zur allgemeinen Erheiterung Späße macht, wenn man nachts um zwei einen Anstieg hoch fährt und eine Hand voll Einheimischer am Straßenrand Party macht, wenn man eine Abfahrt runter fährt und genau weiß, dass sich der Fahrer hinter einem jetzt ebenso freut wie ein kleines Kind, wie man selbst…

Wie wichtig ist die mentale Unterstützung von deinem Team gewesen? Braucht man viel Zuspruch oder ist man permanent nur im Tunnel?

Unabdingbar. Ich war permanent per Funk mit meinem Team in Kontakt und wurde ständig unterhalten. Dabei sind sie über sich hinaus gewachsen. Ich bekam Rätsel, Rechenspiele, Informationen über die Gegend – das leisteten sie alles neben der sowieso schon anspruchsvollen Navigation. Nachts bekam ich die Kommentare und Nachrichten vorgelesen, meine Freunde begannen mir Motivations Sprüche und sogar selbstgesungene Lieder zu senden, die mir dann zugetragen wurden. Ein unvergessliches Erlebnis…

Christine, beschreibe mal die letzten zwei Kilometer? Was ging da in Dir vor?

Ganz ehrlich: In erster Line hatte ich einfach keine Lust mehr – übrigens die einzige Situation der Art. Es war kalt, es begann zu regnen und die letzten rund 100 Kilometer zogen sich unglaublich. Da möchte man nur noch ins Warme. Die Zieldurchfahrt wird eigentlich zur Nebensache, ist in feinster Weise dieser wichtigste Punkt, das einschneidendste Erlebnis, wie man es vielleicht von Langdistanzrennen kennt. Dazu gab es vielleicht einfach zu viele andere tolle, emotionale, überwältigende Momente.

Was nimmst Du für Deinen Alltag nach diesem Erlebnis mit?

Eine der Nachrichten, die ich bekam, als es mir Donnerstag Nacht nicht gut ging, kam von einem Ultraradfahrer. Er sagte: Nach jedem Tief kommt ein Hoch. Das ist sicher. Du musst nur die Geduld haben, dich durch das Tief zu kämpfen. In einem Rennen ist das alles komprimiert auf eine kurze Zeitspanne und deshalb so intensiv. Im Alltag ist es genauso.

Christine, vielen Dank für die persönlichen Einblicke in Dein Rennen und alles Gute für die nächsten Projekte.